Vorfahrt für erneuerbare Energien: Netzwerk trumpft mit breitem Wissen auf

Freuten sich über den Auftakt zur ersten Mitgliedertagung: (Von links) Roland Hentschel (1. Vors. OLEC, Wirtschaftsförderung Oldenburg), Rita Schilling (Erste Bürgermeisterin Stadt Oldenburg), Thorsten Janßen (OLEC-Vorstand, bfe) sowie Dietmar Schütz (BEE) und Klemens Lüke (OLEC-Vorstand, Arbitax). Foto: OLEC

Oldenburg. Wissen, was die anderen machen. Das ist ein wichtiges Ziel von Netzwerken. Viele Informationen lieferten Mitglieder des Oldenburger Energieclusters (OLEC) e.V. ihren Netzwerkpartnern auf der ersten Mitgliedertagung des Vereins am 9. Juni. Prominente Gäste waren Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) und Oldenburgs Erste Bürgermeisterin Rita Schilling.
Der vor fünf Jahren gegründete Cluster wächst weiter und steht kurz davor, das 50. Mitglied aufzunehmen: „Der Name OLEC hat sich fest etabliert und ist zum Synonym für den Erfolg der erneuerbaren Energien geworden. Das stetige Wachstum verdankt er auch dem enormen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Potenzial in der Region“, bescheinigte Rita Schilling dem größten Energienetzwerk in Niedersachsen eine gute Arbeit. Die Stadt Oldenburg gehört zu den wesentlichen Förderern: „Wir arbeiten an einem Energiekonzept für die Stadt und der Versorgung öffentlicher Gebäude mit Ökostrom. Daran ist OLEC beteiligt“, so Schilling weiter.
Rückenwind gab es von BBE-Präsident Dietmar Schütz. Er hatte das Netzwerk noch als Oberbürgermeister gegründet und machte die Sicht des Verbandes zur geplanten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke und zur Energiestrategie der Bundesregierung deutlich: „ Erneuerbare Energien müssen weiter vorrangig in die Netze eingespeist werden. Deshalb hat der BEE den Anspruch, die Leitbedingungen für den Ausbau der Strominfrastruktur vorzugeben. Es muss darum gehen, welche konventionellen Kapazitäten zusätzlich zu den Erneuerbaren notwendig sind und nicht anders herum“, erläuterte er. Laut Schütz sei es möglich, 2050 eine komplette Stromversorgung aus regenerativen Quellen zu erreichen. Hinter dem Wärmepotenzial stehe ein Fragezeichen. „Nur 18 Prozent der Heizungen sind auf dem Stand der Technik, die restlichen 82 Prozent nicht. Hier liegt eine milliardenschwere Revolution im Keller, die aufgrund juristischer Probleme bei der Umlegung der Investitionen auf die Mieten nicht zündet“, machte er deutlich.

Auf der Tagung stellten sich insgesamt 15 Mitglieder in Kurzvorträgen vor. Dabei ging es um verschiedene Aspekte rund um die Themen Biomasse, Windenergie oder das Energiemanagement. Unternehmen wie biogas weser-ems, EnviTec Biogas und nPlan engineering sahen in der Aufbereitung von Biogas auf Erdgasqualität und dessen Einspeisung großes Potenzial: „Die Technik nutzt Biomasse sehr effektiv aus. Vor allem in Ballungszentren müssen wir deshalb das Biogas über Netze dahin bekommen, wo es gebraucht wird“, so Johannes Gehlenborg von biogas weser-ems. In einer Kooperation mit dem OLEC-Mitglied Arbitax AG hatte er sein Unternehmen zudem für den internationalen Markt neu aufgestellt. Hier werden bereits 15 Prozent der Umsätze erwirtschaftet: „Wir profitieren deutlich vom Netzwerk und seinen Mitgliedern“, betonte Gehlenborg.

Dass das Know-how im Cluster weltweit abgefragt wird, unterstrichen Unternehmen wie BTC AG, overspeed oder energy&meteo systems. Letztere beliefern Energieversorger in Europa, den USA oder in Australien mit Prognosen darüber, welche Strommengen aus Wind oder Solar zu erwarten sind. „Die Spanne reicht von einigen Minuten bis hin zu den nächsten 24 oder 48 Stunden. Dabei sind Kunden auf präzise Daten angewiesen, weil sie sonst fehlende Energie teuer einkaufen müssen“, berichtete Dr. Hans-Peter Waldl von overspeed. Viel Renommee konzentriert der Cluster auch im Energiemanagement. Mehrere Mitglieder sind über das Projekt „eTelligence“ am Aufbau eines realen Strommarktes für Anbieter und Verbraucher beteiligt.

Nicht nur Roland Hentschel, erster Vorsitzender des OLEC, „von den vielen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit begeistert“. „Es ist unglaublich wichtig in Netzwerken aktiv zu sein. Menschen kennen zu lernen und über diesen Zugang voneinander zu profitieren“, bescheinigte Bernard Schomaker, Geschäftsführer des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland. Sein Verein, der mit seinen rund 60 Mitgliedern eine wichtige Verstärkung der Bioenergie-Flanke in OLEC darstellt, war dem Netzwerk erst kürzlich beigetreten. Das Forum ist im Rahmen des Wettbewerbs „Bioenergie-Regionen“ vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ausgewählt worden, sein Regionales Entwicklungskonzept „Klimaschutz durch Bioenergie“ umzusetzen.

Clustermanagerin Maike Behrendt, die die Mitgliedertagung moderierte, äußerte sich sehr zufrieden mit dem Auftakt des neuen Formates: „Die Resonanz auf die Veranstaltung war gut. Auch die Idee, sich durch kurze Vorstellungen und anschließende Diskussion besser kennen zu lernen, hat gut funktioniert. In den kurzen Beiträgen ist schnell deutlich geworden, wie gut die Zusammenarbeit in zahlreichen Projekten bereits seit Jahren sehr erfolgreich funktioniert.”

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