Atomausstieg geht in die heiße Phase

Spannung auf dem Podium: Alle wollen den Wechsel zu Erneuerbaren, sind sich aber nicht im Detail einig. (Von links) Rolf Meyer, energiepolitischer Sprecher der niedersächsischen SPD, Angelika Brunkhorst, Dorothea Steiner und Axel Miesner, energiepolitischer Sprecher der niedersächsischen CDU, stellten sich den Fragen von Moderator Andreas Neumann (Mitte). Foto: Torsten Thomas
Der bundesdeutsche Atomausstieg ist inzwischen beschlossene Sache. Welche Rolle erneuerbare Energien dabei spielen, wurde auf der jüngsten Tagung des OLEC Anfang Juni kontrovers diskutiert.
„Nach den Ereignissen in Japan müssen wir den Worten auch Taten folgen lassen und die Energiewende schaffen. Im Nordwesten und insbesondere mit dem Vorzeigenetzwerk OLEC haben wir dafür das Know-how in der Region“, stellte Oldenburgs erster Bürgermeisterin Rita Schilling zum Auftakt der Tagung fest. Mit über 80 Teilnehmern war die Resonanz auf die zweite Tagung des Netzwerkes sehr hoch. Dem Clustermanagement um Geschäftsführerin Maike Behrendt war es gelungen, namhafte Referenten aus der Branche der Erneuerbaren und politische Vertreter aus dem Bundestag und dem niedersächsischen Landtag nach Oldenburg zu holen. Angesichts der politischen Geschwindigkeit, mit der der Ausstieg aus der Atomenergie forciert wird, ist die Branche zurzeit angespannt. Bis zum 8. Juli sollen diverse gesetzliche Änderungen den Ausstieg flankieren. Das betrifft unter anderem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Nach ersten Entwürfen müssten vor allem die Bioenergie, die Photovoltaik und die Windenergie an Land Federn lassen. „Die Windenergie auf dem Meer kommt bislang sehr gut weg. Um auf eine erneuerbare Vollversorgung umzusteigen, wäre es aber wünschenswert, die Technologien nach ihren Talenten zu fördern“, sprach Teelke Oldermann von Enercon für die gesamte Branche. Die Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst, Sprecherin der FDP für Umwelt und Reaktorsicherheit, erklärte, dass die Regierungskoalition bei den Förderkulissen und dem Ausbau noch nicht ganz auf einer Linie sei. „Bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix auf 35 Prozent zu erhöhen, ist ein ambitionierter Plan. Wenn es schneller geht, ist das umso besser“, sagte sie. Die grüne Bundestagsabgeordnete Dorothea Steiner hielt hingegen 43 Prozent für machbar und kritisierte, „dass die Opposition noch keinen Einblick in die Gesetzesentwürfe erhalten hat“. Dr. Stefan Birkner, Staatssekretär im niedersächsischen Umweltministerium wies auf „das Nadelöhr Netzausbau” hin. Nach aktuellen Studien müssten alleine im Transitland Niedersachsen etwa 1.400 Kilometer an neuen Leitungen gebaut werden. Er begrüßte die Pläne aus Berlin, den Netzbedarf ähnlich wie beim Autobahnbau auf Bundesebene zu zentralisieren, will die Planfeststellungsverfahren aber in den Ländern belassen. „Wir kennen die Situationen vor Ort. Mehr Akzeptanz beim Bürger lässt sich nur erreichen, wenn in der Nähe von Siedlungen Erdkabel gleichberechtigt mit Freilandleistungen behandelt und zugelassen werden. Dazu gibt es bereits erste Pilotprojekte“, so Birkner. Er sprach sich auch für eine Konzessionsgebühr aus, die Kommunen erhalten sollten. Beim ebenfalls unter Akzeptanzproblemen leidenden „Sorgenkind“ Biogas forderte Ulrich Schmack von der Schmack Biogas GmbH mehr Marktnähe und Effizienz von Biogasanlagen, zum Beispiel durch die Speicherung von überschüssigem Windstrom in den Gasnetzen, welcher sich durch Elektrolyse in Methan oder sogenanntes Windgas umwandeln lässt. „Wir können keine schlechten Konzepte mehr verkaufen“, betonte er. Christoph Gers-Grapperhaus von der niedersächsischen Landwirtschaftkammer bestätigte, dass die Zunahme beim Maisanbau dem Bedarf an Energiepflanzen geschuldet sei. Er stellte aber auch klar, dass alternative Pflanzen bezogen auf einen Hektar Ackerfläche eine schlechtere Energieausbeute hätten und so mehr Platz benötigten. „Es laufen mehrere Pilotversuche, aber andere Pflanzen würden das Flächenproblem eher verschärfen, wenn die Biogastechnik nicht besser wird“, machte er deutlich.
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