16. Januar 2026


Vertrauen, Verlässlichkeit und gemeinsamer Gestaltungswille als Kompass der Energiewende
Mit einem klaren Bekenntnis zu Zusammenarbeit, Verlässlichkeit und Mut zur Transformation ist der Oldenburger Energiecluster OLEC e. V. beim Neujahrs Networking 2026 in das neue Jahr gestartet.
Mehr als 140 Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik kamen am 16. Januar in der Alten Fleiwa zusammen, um sich über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der Energiewende im Nordwesten auszutauschen. In einer Zeit politischer Unsicherheiten und energiepolitischer Debatten setzte die Veranstaltung ein bewusstes Zeichen: Die Energiewende braucht stabile Netzwerke, regionale Wertschöpfung und gemeinsames Handeln über institutionelle und sektorale Grenzen hinweg.
OLEC als verlässlicher Anker in bewegten Zeiten
In seiner Begrüßung betonte der OLEC-Vorstandsvorsitzende Roland Hentschel die besondere Rolle des Clusters in der aktuellen Phase der Transformation. Mehr denn je gehe es darum, Vertrauen zu stärken, Verlässlichkeit zu schaffen und trotz schwieriger Rahmenbedingungen nach vorne zu schauen. Der Nordwesten verfüge über ein Netzwerk, das „niedersächsisch denkt und handelt, aber über Grenzen hinweg wirkt“.
Hentschel verwies auf die enge Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen, das Engagement im NetZero Valley, die laufende Wertschöpfungspotenzialstudie sowie den Aufbau des Powerzentrums Nordwest als Beispiele dafür, wie OLEC strategische Projekte initiiert und Akteure zusammenbringt. Das Cluster habe sich als eines der agilsten und bestorganisierten Netzwerke der Energiewirtschaft etabliert – nicht zuletzt, weil es als Schnittstelle zwischen Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik fungiere.
„Unser Cluster hat nicht nur Kurs gehalten, sondern seine Rolle als Impulsgeber für die Energiewende weiter ausgebaut. Die Vielfalt unserer Mitglieder, die enge Verzahnung von Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen sowie der gemeinsame Wille, Lösungen zu entwickeln, machen die Region widerstandsfähig und zukunftsfähig.“

Energiewende trotz politischer Störgeräusche auf Kurs
Jürgen Krogmann, Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg, ordnete die energiepolitische Lage vor dem Hintergrund des Wahljahres 2025 ein. Zwar sei die öffentliche Debatte zuletzt von Störgeräuschen geprägt gewesen – von der Rückkehr der Kohle- und Kernenergiediskussion bis hin zu grundsätzlichen Zweifeln an der Energiewende. Ein Blick auf die Fakten zeige jedoch ein anderes Bild: Die Investitionen in erneuerbare Energien seien so massiv, dass der eingeschlagene Weg nicht mehr aufzuhalten sei.
Auch auf kommunaler Ebene gehe es voran. Oldenburg habe seine Wärmeplanung abgeschlossen, die Zulassungszahlen für Elektromobilität stiegen, und weitere Windenergieprojekte seien in Vorbereitung. Kommunen stünden in der Verantwortung, Flächen bereitzustellen – und erfüllten diese Aufgabe zunehmend. Erneuerbare Energien seien längst ein zentraler Treiber regionaler Wertschöpfung. Das OLEC beschrieb Krogmann als „Spinne im Netz der Energiewende“: als Impulsgeber, Kontaktpunkt und Ratgeber für unterschiedlichste Akteure in der Region.
„Trotz der energiepolitischen Störgeräusche des Wahljahres 2025 zeigen die Fakten klar: Die Energiewende läuft – und sie ist nicht aufzuhalten. Die Investitionen in erneuerbare Energien sind enorm. Auch in Oldenburg kommen wir voran: mit abgeschlossener Wärmeplanung, steigender E-Mobilität und weiteren Windenergieprojekten. Erneuerbare Energien schaffen regionale Wertschöpfung und sind der richtige Weg zur Klimaneutralität. Das OLEC ist dabei ein zentraler Impulsgeber und Knotenpunkt der Energiewende in unserer Region.“

Zusammenstehen, Perspektiven bündeln, Transformation gestalten
Deutlich strategischer blickte Grant Hendrik Tonne, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, auf die kommenden Jahre. Seine zentrale Botschaft: Ein „Weiter so“ sei keine Option. Transformation müsse ernst genommen und aktiv gestaltet werden – mit Zuversicht statt Angst. Niedersachsen trage als Energieland eine besondere Verantwortung, sowohl für die eigene Entwicklung als auch für die Versorgungssicherheit Deutschlands.
Tonne machte klar, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent fortgesetzt werden müsse. Zielkonflikte – etwa zwischen Geschwindigkeit und Akzeptanz oder zwischen lokaler Betroffenheit und überregionalem Nutzen – dürften dabei nicht kleingeredet werden. Gerade Niedersachsen zeichne jedoch Pragmatismus und Ausdauer aus. Anreize statt Überregulierung, mehr Flexibilität im System und verlässliche Rahmenbedingungen seien entscheidend, um Akzeptanz zu sichern und Investitionen zu ermöglichen.
Der russische Angriffskrieg habe schmerzhaft vor Augen geführt, wie verletzlich Energieversorgung sein könne. Die schnelle Reaktion Deutschlands zeige aber auch, wozu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam in der Lage seien. Diversifizierung der Energieversorgung bleibe daher ein strategischer Auftrag. Für 2026 formulierte Tonne den Anspruch, die Spitzenposition Niedersachsens nicht nur zu halten, sondern weiter auszubauen – insbesondere in den Bereichen Offshore-Wind, Speicher, Mobilität, Wärme, Netzausbau und Wasserstoff.
Wasserstoff komme dabei eine Schlüsselrolle zu: als Innovationsmotor, als Speicherpartner der erneuerbaren Energien und als Grundlage für neue industrielle Wertschöpfung. Niedersachsen sei hier so gut positioniert wie kaum ein anderes Bundesland. Häfen und Wasserstoffinfrastruktur seien dabei nicht nur regionale, sondern nationale Aufgaben. Beschleunigte Genehmigungsverfahren, erleichterte Netzanschlüsse und eine starke Rolle in der bundespolitischen Debatte seien zentrale Hebel.
„Niedersachsen ist das führende Energieland und übernimmt Verantwortung für das Gelingen der Energiewende und eine sichere Versorgung Deutschlands. Trotz der politischen Debatten ist klar: Niedersachsen wird den Ausbau der erneuerbaren Energien entschlossen vorantreiben. Damit dieser Kurs erfolgreich bleibt, brauchen wir starke regionale Netzwerke. Das OLEC bündelt Kompetenzen aus Wirtschaft, Kommunen und Wissenschaft und ist damit ein zentraler Impulsgeber für die Umsetzung der Energiewende – in der Region und weit über Oldenburg hinaus.“

Systemintegration als neue Schlüsselherausforderung
Die Festrede von Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie und Vorständin des Landesverbands Erneuerbare Energien Niedersachsen-Bremen, rückte die nächste Phase der Energiewende in den Fokus: die Systemintegration. Der Ausbau der erneuerbaren Energien komme in Niedersachsen gut voran, Genehmigungsprozesse seien spürbar schneller geworden – insbesondere im Windbereich. Die eigentliche Herausforderung liege nun darin, die wachsenden Strommengen effizient ins System zu integrieren.
Netze müssten schneller ausgebaut, flexibler und intelligenter werden. Abregelung oder ein Drosseln des Ausbaus könne keine Lösung sein. Im internationalen Vergleich seien deutsche Stromnetze noch immer zu wenig digitalisiert. Gerade auf Verteilnetzebene lägen große Potenziale, etwa durch intelligente Steuerung, Speicher, Direktleitungen oder regionale Abnahmemodelle.
Heidebroek plädierte für mehr Flexibilität und regulatorische Freiräume, um Strom dann nutzen zu können, wenn er verfügbar und günstig sei. Photovoltaik auf Dächern sei dabei ein wichtiger Einstieg, weil sie breite Teilhabe ermögliche und Akzeptanz schaffe. Gleichzeitig brauche es einen schnelleren Smart-Meter-Rollout und die Möglichkeit, Lasten system- und netzdienlich zu steuern. Voraussetzung bleibe jedoch der physische Netzausbau.
Das Energiesystem der Zukunft sei vielfältig, dezentral und regional geprägt. „One fits all“ funktioniere nicht. Stattdessen brauche es Akteursvielfalt, maßgeschneiderte Lösungen und lokale Wertschöpfung, um Akzeptanz vor Ort zu sichern. Speicher, Bioenergie als Flexibilitätsanker, Wasserstoff, Mobilität und Wärme müssten zusammengedacht werden. Gerade im industriestarken Nordwesten, der zugleich Import- und Exportdrehscheibe sei, brauche es sowohl regionale Konzepte als auch leistungsfähige Übertragungsnetze.
„Die Energiewende gelingt nur gemeinsam, technologieoffen und vernetzt. Niedersachsen hat als Energieland mit Häfen, Netzknoten und Industrie das Potenzial, ein Leuchtturmland zu sein. Das OLEC bringt Akteure zusammen, setzt Impulse und denkt Lösungen ganzheitlich – ein Gedanke, der heute wichtiger ist denn je. Genehmigungen laufen schneller, der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet voran, aber Netze müssen intelligenter, flexibler und schneller werden. Speicher, Wasserstoff und smarte Netze sind der Schlüssel, um Strom effizient zu nutzen. Entscheidend ist, dass Wertschöpfung vor Ort entsteht, Akzeptanz wächst und Niedersachsen Vorbild für die Energiewende in ganz Deutschland wird.“

OLEC als Blaupause für Energiewenderegionen
Ein wiederkehrendes Motiv des Vormittags war die Rolle des OLEC als organisierende Kraft. Das Cluster bringe Akteur*innen zusammen, bündele Perspektiven und schaffe Räume für Innovation – nicht nur für die Region, sondern mit Strahlkraft darüber hinaus. Heidebroek bezeichnete Niedersachsen als potenzielles „Energiewendeland“ und Vorbild für andere Regionen. OLEC könne dabei eine Blaupause liefern, wie Energiewende gemeinsam, regional verankert und mit klarem Fokus auf Wertschöpfung gelingen könne.
Am Ende stand ein gemeinsamer Appell: weniger Zögern, weniger Richtungswechsel, mehr Planbarkeit. Viele kleine Puzzleteile müssten zusammengedacht und umgesetzt werden. Entscheidend sei, ins Tun zu kommen – gemeinsam, vor Ort und mit Mut.
Das OLEC Neujahrs Networking 2026 machte deutlich: Die Herausforderungen sind groß, aber der Gestaltungswille ist größer. Mit einem starken Netzwerk, klarer Haltung und regionaler Verankerung blickt der Energiecluster zuversichtlich auf das vor ihm liegende Jahrzehnt der Transformation.






Bilder: Torsten von Reeken
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Georg Blum
