ENaQ - ENERGETISCHES NachbarschaftsQUARTIER FLIEGERHORST Oldenburg

Partizipative Entwicklung im Reallabor als Baustein der Smart City Strategie in Oldenburg unter dem Leitprinzip „Der Mensch im Mittelpunkt“

Direkt zum Projekt: www.enaq-fliegerhorst.de


Projektbeschreibung

Neben der Arbeit an smarten Technologien setzt OLEC sich intensiv dafür ein, die Energieregion Nordwest zur „Smart Region“ weiterzuentwickeln. Ein Teilbereich des Fliegerhorsts in Oldenburg – ein 3,9ha großes Areal – ist als erklärtes Ziel der Stadtentwicklungspolitik als „lebendes“ Labor für die Erprobung neuer Smart City-Technologien, unter anderem aus den Domänen Energie, Mobilität und Gesundheit ausgewiesen und soll mit zukunftsweisender und noch zu entwickelnder Infrastruktur versehen werden.

Unter der gemeinsamen Koordination der OLEC-Mitglieder Informatikinstitut OFFIS und der Stadt Oldenburg hat ein Konsortium mit insgesamt 21 Partnern aus Industrie und Forschung den Zuschlag zur Realisierung eines Energetischen Nachbarschafts-quartiers auf einer Teilfläche des stillgelegten Fliegerhorsts erhalten.

Reallabor Fliegerhorst im Luftbild.                                              © Stadt Oldenburg
Reallabor Fliegerhorst im Luftbild. © Stadt Oldenburg

Mit der Bewilligung fließen Fördermittel in Höhe von rund 18 Millionen Euro aus der gemeinsamen Förderinitiative „Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt“ der Bundesministerien für Wirtschaft und Energie sowie Bildung und Forschung in das ambitionierte Vorhaben. Weitere gut 8,4 Millionen Euro werden von den Partnern aus der Wirtschaft beigesteuert. Neben OLEC selbst sind an dem fünfjährigen Projekt zwölf Unternehmen und Forschungspartner aus dem OLEC-Netzwerk beteiligt.

 

Projektziele

Bis zum Jahr 2022 soll ein weitestgehend klimaneutrales Quartier als „Reallabor“ konzipiert und umgesetzt werden. Es entstehen etwa 110 Wohneinheiten sowohl in Neubauten als auch in sanierten Bestandsgebäuden mit Anschluss an ein öffentliches Versorgungsnetz. Das dabei entstehende, auch „Energetische Nachbarschaften“ genannte Quartierskonzept stellt einen Verbund an Erzeugern und Verbrauchern dar, die sich in räumlicher Nähe zueinander befinden und ihre überschüssige Energie in andere Energieformen umwandeln und speichern oder direkt bereitstellen, sodass benachbarte Verbraucher diese nutzen können. Das Konzept verfolgt den Gedanken, die Energieeffizienz zu steigern, indem „Abfallenergie“ vermieden und eine Maximierung des lokalen Verbrauchs von „nachbarschaftlich“ erzeugter Energie angestrebt wird. Neben der Sektorenkopplung wird eine offene, sichere und datenschutzkonforme digitale Plattform entwickelt, die es den Bürgern erlaubt, den lokalen Energietausch zu automatisieren.

Diese zwei technischen Voraussetzungen für das Entstehen nachhaltiger Energetischer Nachbarschaftsquartiere sind eingebettet in die Erforschung der sozialen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen den beteiligten Akteuren. Denn die Bürgerakzeptanz und bürgernahe Kooperations- und Geschäftsmodelle werden für den langfristigen Erfolg klimaneutraler Energieversorgung aus Eigenerzeugungsanlagen auf Quartiers- und Stadtteilebene als ausschlaggebend angesehen.

 

Zentrale Fragestellungen

Wie muss ein lokaler Energieaustausch eines Nachbarschaftsquartiers aus sozialer und betriebswirtschaftlicher Sicht ausgestaltet sein, um eine hohe Akzeptanz bei Anwohnern, Besitzern der Erzeugungseinheiten und Dienstleistern zu erlangen und um auch langfristig sozial attraktiv sowie betriebswirtschaftlich tragbar zu sein?

Welchen Mindestanforderungen muss die physische Infrastruktur genügen, um die Energieflüsse des multimodalen Versorgungsnetzes mit dem Ziel der CO2-Minimierung automatisier- und optimierbar zu machen und um in Bestandsquartieren Anwendung zu finden?

Wie muss eine digitale Plattform und deren Kommunikation mit Prosumern standardisiert werden und wie können Anreizmodelle zur Partizipation der Quartiersbewohner aussehen, um eine schnelle und preiswerte Etablierung von z.B. Energiegenossenschaften in einer Vielzahl von Bestandsquartieren zu ermöglichen?

Energiestrukturen am Quartier Fliegerhorst.
Energiestrukturen am Quartier Fliegerhorst.

Rolle von OLEC

Bereits seit 2014 begleitet OLEC die Entwicklung und Umsetzung der Smart City/ Smart Region Strategie der Energieregion Nordwest. Das Netzwerk konnte sich in die Vorplanungen zur Projektinitiierung einbringen und 12 Netzwerkmitglieder als Projektpartnern im Konsortium gewinnen.

Zu den Kernthemen des Projekts gehört die Frage, wie die lokale Energiegemeinschaft eines Nachbarschaftsquartiers sozial und wirtschaftlich konzipiert sein muss, um für Anwohner, quartierseigene Energieerzeuger und Energiedienstleister langfristig attraktiv und betriebswirtschaftlich tragbar zu sein. Dies wird im Rahmen eines partizipativen Prozesses zur Stakeholderbeteiligung erforscht. Weiterhin unterstützt OLEC die Stadt und OFFIS im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit und sorgt für den Wissens- und Technologietransfer der Projektergebnisse sowohl in regionale Planungsprozesse als auch überregional und international. Zudem sollen die entwickelten Technologien und Systeme unter Einbezug weiterer OLEC-Partner in die Ausbildung des E-Handwerks übertragen werden.

 

Perspektive

Für das Quartier ist der zeitliche Verfahrensablauf für Flächennutzungs- und Bebauungsplan, Erschließung, Sanierung und Neubau bereits skizziert. Etwa Ende 2020 ist mit dem Einzug von ersten Bewohnern zu rechnen, der im Projekt den Beginn der etwa 2-jährigen Evaluationsphase einläutet. Im Rahmen dieses Vorhabens bietet das lebende Labor durch die dauerhafte praktische Umsetzung und den Betrieb die Möglichkeit, im Zuge der Digitalisierung der Energiewende Services und Mehrwerte für die Bewohner zu entwickeln und direkt zu evaluieren. Es entstehen neue Wertschöpfungsnetze mit neuen Marktrollen und Dienstleistern. In Zukunft soll das Gelände als Versuchsfeld für experimentelle Lebensräume auf verschiedenen Themenfeldern einer Smart City dienen. Begleitend soll ein transdisziplinärer Austausch zwischen den FuE-Projekten realisiert werden, der zusätzliche Synergien ermöglicht.

Die erfolgreiche Einwerbung des ENaQ-Projekts zeigt, dass die technologieübergreifende Ausrichtung des Netzwerks und dessen Innovationsorientierung einen großen Mehrwert für Mitglieder und Region schaffen können. Das Prestigeprojekt hat zudem eine enorme überregionale Strahlkraft und bietet daher große Chancen für Innovationsentwicklung und Wissensvernetzung im Nordwesten.

 

Weitere Informationen auf der Website des Verbundvorhabens unter

www.enaq-fliegerhorst.de

AnsprechpartnerInnen Projekt Enaq

Georg Blum
Projektmanager Energetisches Nachbarschaftsquartier (ENaQ)/ Arbeitskreis Energie- und Ressourceneffizienz
Johanna Stein
Cluster- und Projektassistenz, Mitgliederbetreuung, Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsprojekte
Marina Kemper
Studentische Mitarbeiterin